Gernot Wersig

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Gernot Wersig

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Persönliche Daten

Prof. Dr. phil.Gernot Wersig (* 20.12.1942; † 4.7.2006 in Berlin), deutscher Informationswissenschaftler. Er gilt als Begründer der Informationswissenschaft in Deutschland. Gernot Wersig war seit 1983 verheiratet mit der Informationswissenschaftlerin und Kunsthistorikerin Petra Schuck-Wersig.

[Bearbeiten] Beruflicher Werdegang

Gernot Wersig studierte die Fächer Publizistik (bei Emil Dovifat), Soziologie und Dokumentationswissenschaft (bei dem Honorarprofessor Hans-Werner Schober) an der Freien Universität Berlin.

1965 war er als Studentische Hilfskraft mit der Herausgabe des publizistikwissenschaftlichen referate-dienstes (prd) beschäftigt und schloss 1967 mit dem Grad eines Magister Artium (M.A.) ab. 1968 bis 1977 arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Assistenzprofessor am Institut für Medizinische Statistik und Dokumentation der FU Berlin bei Professor Günther Fuchs.

1971 folgte die Promotion zum Dr. phil. in Informations- und Dokumentationswissenschaft. Seine im selben Jahr veröffentlichte Dissertation Information, Kommunikation, Dokumentation : ein Beitrag zur Orientierung der Informations- und Dokumentationswissenschaften war die erste in diesem Fach und kann auch heute noch mit Gewinn gelesen werden; 1972 folgte die Habilitation im Fach Informations- und Dokumentationswissenschaft ohne Habilitationsschrift: Wersig wurden seine bisher rund 50 Publikationen und die Leistung seiner Dissertation kumulativ angerechnet.

1976 startete unter seiner Leitung das vom BMFT finanzierten Drittmittelprojekt FIABID (Forschungsprojekt Integrierte Ausbildungskonzeption für den Tätigkeitsbereich Bibliothek, Information und Dokumentation).

1977 erfolgte die Berufung zum Professor für Informations- und Dokumenationswissenschaft am Institut für Publizistik und Dokumentationswissenschaft an der FU Berlin. Damit konnte erstmalig in Deutschland ein entsprechender Vollzeitstudiengang mit Promotionsberechtigung angeboten werden. Seit 1966

1981 mündeten die Arbeiten des Generalisten Wersig in die Umbenennung des Studienganges Informations- und Dokumentationswissenschaft in Informationswissenschaft. Gernot Wersig ging es immer auch darum, neben den IT-Aspekten auch die gesellschaftspolitischen Aspekte einzubringen.

1982 lag der Arbeitsschwerpunkt in der Durchführung des Drittmittelprojekts INSTRAT (Informationssysteme als informationspolitisches Gestaltungspotential und gesellschaftliche Entwicklungsstrategie - Informationswissenschaftliche Grundlagen organisierter Information und Kommunikation als Komponenten individueller und gesellschaftlicher Problembewältigung), in dem die Berliner Informationswissenschaft einige anhaltende inhaltliche Weichenstellungen erfuhr. Wersig kritisierte das BMFT als „Konkursabwickler“, beklagte die einseitige Konzentration auf Informationstechnologien und bescheinigte dem Ministerium „mangelnde Kompetenz, Phantasie [...] und Mut“.

Die weiteren 1980er Jahre waren gekennzeichnet durch eine Reihe von Rückschlägen und anhaltende Kapazitätsengpässen in der Lehre: Der Strukturplan der FU Berlin sah zwar die Ausstattung des Faches mit zwei Hochschullehrern und mehreren Wissenschaftlichen Mitarbeitern vor; diese Zusage wurde jedoch nicht umgesetzt. Möglicherweise auch eine Reaktion auf die zum Teil provokativen Thesen des Querdenkers Wersig. Durch seine Ehe mit der promovierten Informationswissenschaftlerin und Kulturhistorikerin Petra Schuck-Wersig entwickelt Gernot Wersig in dieser Zeit ein (informationswissenschaftliches) Interesse an Museen und visueller Kommunikation. Das Forscherehepaar verstand es, Fördermittel für die Durchführung von Projekten einzuwerben. Zu erwähnen wären hier unter anderem Wirksamkeit öffentlichkeitswirksamer Maßnahmen für Museen und kulturelle Ausstellungen (1985-1987), Museums-Marketing in den USA (1988), Museums-Marketing in Europa (1990-1991), Digitale Bilder in Museen (1995-1996).

Von 1991 bis 1995 amtierte er an der FU Berlin als Dekan des Fachbereichs Kommunikationswissenschaften sowie von 1995 bis 1997 als Geschäftsführender Direktor des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft derselben Universität. Seit 1995 war er Professor am Arbeitsbereich Informationswissenschaft [1] des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin. Die letzten Jahre des 20. Jahrhunderts waren gekennzeichnet durch die Einstellung der Informationswissenschaft an der Freien Universität Berlin; zum Wintersemester 1995/96 wurden letztmalig Studierende zugelassen, 1997 lief das Grundstudium aus. Wersig setzte seine Publikationstätigkeit jedoch fort und brachte die Themen wie die Systematik der Informations- und Kommunikationstechnologien in die Publizistik ein, betrachtete jedoch die deutsche Informationswissenschaft als gescheitert ("Fehlschlag").

Gernot Wersigs Forschungs- und Interessenschwerpunkte lagen in den Bereichen Informationsgesellschaft und Postmoderne, Informationstheorie, Trendforschung, Freizeitforschung, Kulturforschung, Wissensforschung und Wissensorganisation, Gestaltung von Softwareprodukten und Software-Marketing, Theorie der Visuellen Kommunikation, Anwendungsfelder von Multimedia und Internet, Museumsforschung sowie Bildforschung.

Trotz knapper finanzieller und personeller Ressourcen organisierte Gernot Wersig stets einen attraktives Studienangebot. Viele seiner Schüler sind heute selbst als Hochschullehrer tätig. Gernot Wersig teilte das Schicksal vieler Wissenschaftler, die ihrer Zeit voraus waren. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel des Fachbereichs "Journalistikk, bibliotek- og mediefag" an der Hochschule in Oslo. Dort hängt im Hörsall zu Ehren von Gernot Wersig ein Bild.

[Bearbeiten] Publikationen

Auswahl aus den Buchveröffentlichungen:

  • 1971: Information, Kommunikation, Dokumentation : ein Beitrag zur Orientierung der Informations- und Dokumentationswissenschaften, München-Pullach [Pullach/Isartal] ; Berlin : Verl. Dokumentation, ISBN 3-7940-3405-8
  • 1973: Informationssoziologie. Hinweise zu einem informationswissenschaftlichen Teilbereich, Frankfurt am Main: Athenäum, ISBN 3-7610-5890-X
  • 1983: Informatisierung und Gesellschaft. Wie bewältigen wir die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (Hrsg.; m. Beiträgen von Marianne Buder, Ralf-Dirk Hennings, Dietmar Strauch, Gerhard Vowe u.a.), München: K. G. Saur, ISBN 3-598-10503-7
  • 1985: Akzeptanz neuer Kommunikationsformen. Forschung als Begleitung, Programm oder Folgenschätzung? (Hrsg. mit Petra Schuck-Wersig; m. Beiträgen von Ralf-Dirk Hennings, Barbara Mettler-Meibom, Jan Tonnemacher, Gunter Windel u.a.), München: K. G. Saur, ISBN 3-598-10599-1
  • 1989: Organisations-Kommunikation. Die Kunst ein Chaos zu ordnen
  • 1993: Fokus Mensch. Bezugspunkte postmoderner Wissenschaft: Wissen, Kommunikation, Kultur, Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang, ISBN 3-631-45719-7
  • 1996: Die Komplexität der Informationsgesellschaft (Schriften zur Informationswissenschaft; Bd. 26), Konstanz: UVK, ISBN 3-87940-573-5
  • 2000: Informations- und Kommunikationstechnologien. Eine Einführung in Geschichte, Grundlagen und Zusammenhänge. Konstanz: Universitätsverlag
  • 2000: Versuch einer Bilanz. In: Petra Schuck-Wersig: Informationswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Ein Fazit über 30 Jahre. Berlin
  • 2002: Medien- und Wertewandel. Das Spannungsverhältnis von Medialisierung und Kultivierung. in: Dokumentation Berliner Sommer-Uni 2001: Wertorientierung und Wertewandeel - Übergang in eine ungewisse Zukunft? Berlin: Berliner Akademie für weiterbildende Studien

[Bearbeiten] Weblinks

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