Wissenschaftliche Buchgesellschaft

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Wissenschaftliche Buchgesellschaft
Hindenburgstraße 40
64295 Darmstadt
Deutschland

Telefon: (06151) 33 08-0
Fax: (06151) 33 08-277
Mail: service@wbg-darmstadt.de



Verlagsporträt


Der Beginn

Die Geschichte der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG) beginnt 1949 in Tübingen. Es ist die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die Zeit der durch den Krieg zerstörten Bibliotheken und vernichteten Bücher. 25 Millionen Bände allein aus öffentlichen Bibliotheken waren dem Kriegsgeschehen zum Opfer gefallen. An wissenschaftlicher Literatur herrschte Mangel. Diesem musste Abhilfe geschafft werden. Aus diesem Grund taten sich namhafte Tübinger Professoren zusammen und gründeten unter dem Namen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft e.V. einen Selbsthilfeverein, der sich den Nachdruck wissenschaftlicher Literatur zur Aufgabe machte. Die Initiative zur Gründung geht auf Prof. Ernst Anrich (Neuere Geschichte) zurück. Gründungsmitglieder waren Prof. Walter F. Otto (Klassische Philologie), Prof. Adolf Köberle (Ev. Theologie), Dr. Eduard Könekamp, der Verleger Dr- Marius Matthiesen, Prof. Gerhard Fricke (Dt. Sprache und Literatur), Hildegard Buder und Prof. Richard Dehm (Geologie und Paläonotologie). Prof. Carlo Schmid (Öffentliches Recht) und Prof. Theodor Steinbüchel (Philosophie) wurden in den wissenschaftlichen Beirat gewählt. Am 29. April 1949 wurde der Verein offiziell zugelassen.

In der ersten Satzung heißt es: „Zweck des Vereins ist es, das durch die Kriegseinwirklungen zerstörte oder durch die Kriegsfolgen schwer zugänglich gewordene deutsche wissenschaftliche und geistige Schrifttum neu erscheinen zu lassen sowie das Erscheinen wichtiger und dringend benötigter neuer wissenschaftlicher Werke zu ermöglichen und zu tragbaren Preisen am deutschen Kulturgut interessieren Kreisen zugänglich zu machen.“

Für einen Mitgliedsbeitrag von 2,- Mark (Schüler und Studenten 1,50 Mark) konnte jeder Kulturinteressierte Mitglied des Vereins werden. Die Mitgliedschaft berechtigte, die angebotenen Werke zum Subskriptionspreis zu beziehen und verpflichtete das Mitglied, ein Werk pro Jahr zu bestellen.

Die Wissenschaftliche Buchgemeinschaft begann ihre Arbeit nach einem ebenso einfachen wie effektiven Prinzip. Die Werke, die neu aufgelegt werden sollten, wurden zur Subskription angekündigt. Mit der Bestellung leistete der Käufer eine Vorauszahlung von 30 Prozent. Auf diese Weise wurden die Herstellungskosten eines Werkes finanziert.


Die ersten Jahre

Nachdem sich in den ersten Jahren die wirtschaftliche Lage verschlechtert hatte und die Preise für Papier bis 1951 um 100 Prozent angestiegen waren, reichte die Anzahlung von 30 Prozent zur Finanzierung der Produktionskosten nicht mehr aus. Die Mitglieder wurden dazu aufgerufen, dem Verein Beträge zwischen einer und zehn Mark als Kredit zur Verfügung zu stellen, damit weitere Bücher in Produktion gehen konnten. Der Kreditsammelfonds dokumentierte noch über viele Jahre die Verbundenheit der Mitglieder ihrer Buchgemeinschaft und half dem Verein, in den kritischen Anfangsjahren und wirtschaftlichen Krisenzeiten vollkommen unabhängig und selbständig zu bleiben. Damit war ein einzigartiges Modell von Privatinitiative und Gemeinschaft entwickelt worden, das bis heute beispiellos auf dem gesamten Buchmarkt ist. 1953 verlegte die Wissenschaftliche Buchgemeinschaft ihren Betrieb von Tübingen nach Darmstadt und änderte 1955 wegen der Namensähnlichkeit mit der Deutschen Buchgemeinschaft ihren Namen in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG). Im selben Jahr fand die Gesellschaft ihr heutiges Domizil und erwarb das Verlagsgebäude in der Hindenburgstraße. Dort baute sie in den 60er und 70er Jahren zwei neue Gebäude und richtete eine eigene Druckerei und Binderei ein. 1966 schied Prof. Ernst Anrich, seit 1952 geschäftsführender Direktor der WBG, aus dem Vorstand der WBG aus. Der WBG-Vorstand hatte ihm dies nahegelegt, nachdem er am 2. Bundesparteitag der NPD als Gastredner aufgetreten war. Der WBG gelang es, durch das herausragende Engagement der Gründer und der ersten Mitglieder innerhalb nur weniger Jahre ein breites und inhaltlich starkes Programm aufzubauen. Durch den Vorstand, dessen Mitglieder den unterschiedlichsten Wissenschaftsdisziplinen angehörten, war von Anfang an gewährleistet, dass den Mitgliedern Werke angeboten werden konnten, die inhaltlich ein vielschichtiges, keiner politischen Richtung verpflichtetes Spektrum umfassten. Nur fünf Jahre nach der Gründung zählte sie bereits 10.537 Mitglieder und beschäftigte 19 Mitarbeiter. Die Wichtigkeit, die der WBG zugemessen wurde, zeigt sich auch in der Unterstützung durch das Land Hessen, das ihr 1955 die Rechtsform eines wirtschaftlichen Vereins verlieh. Dem Vereinszweck entsprechend dienen Gewinne bis heute der Produktion neuer Bücher sowie der Kulturförderung. So gründete die WBG 1998 anlässlich ihres 50jährigen Bestehens und in Erinnerung an den Philosophen den „Wilhelm Weischedel-Fonds der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt zur Förderung von Wissenschaft und Kultur“. Der WBG-Kulturfonds fördert mit seinem Vermögen Wissenschaft und Kultur in gemeinnütziger Weise, finanziert daraus alle zwei Jahre die Vergabe eines Doktorandenstipendiums, das anlässlich des 40jährigen Jubiläums der WBG gestiftet wurde , unterstützt die Übersetzung fremdsprachiger Texte ins Deutsche und fördert Bibliotheken und wissenschaftliche Institute.


Die Entwicklung bis heute

Entstanden aus der Idee, wichtige Teile unseres kulturellen Erbes wieder verfügbar zu machen, gab die WBG mit dem Nachdruck und der Neuproduktion wissenschaftlicher Literatur entscheidende Impulse. Nicht nur, dass lange vergriffene und verschollene Titel wieder zugänglich gemacht wurden; die Produktion eigener Titel eröffnete vielen Wissenschaftlern den Weg, ihre neuen Forschungsergebnisse zu publizieren. Darüber hinaus minderten die zahlreichen Lizenzausgaben, die häufig mit renommierten lizenzgebenden Verlagen gemeinsam hergestellt wurden, das verlegerische Risiko des Originalverlags und ermöglichten einen günstigeren Verkaufspreis.

Ende der 70er Anfang der 80er Jahre wurde das Programm um die Sparten Sachbuch, Belletristik und Kinderbuch erweitert. Mitte der 80er Jahre konnte das Angebot an Eigenproduktionen verstärkt und der Non-Book-Bereich weiter ausgebaut werden. Seit dieser Zeit engagierte sich die WBG auch immer stärker im Buchhandel. Um im „offenen“ Buchhandel einheitliche Verkaufspreise für ihre Titel garantieren zu können, trat die WBG am 11.3.1974 dem Sammel-Revers-System bei. Am 1.8.1988 folgte der Eintritt in den Börsenverein des Deutschen Buchhandels, seit 1989 beschäftigt die WBG Verlagsvertreter. Mit den beginnenden 90er Jahren baute die WBG zunehmend auch ihr Engagement in der ehemaligen DDR aus, wo sie Patenschaften und Kontakte zwischen Ost und West vermittelte sowie Bibliotheken Bücher aus ihrer Produktion zur Verfügung stellte.

Der ursprüngliche Verein entwickelte sich mehr und mehr zu einer großen Verlagsgruppe: 1996 wurde der ebenfalls in Darmstadt ansässige Primus Verlag gegründet, 1997 der Konrad Theiss Verlag in Stuttgart, 2005 der Verlag Philipp von Zabern in Mainz gekauft. Seit Dezember 2008 gehört der Hörbuchverlag Auditorium Maximum zur Gruppe und wird als eigenständiges Imprint unter dem Verlagsdach der WBG weitergeführt.

Die WBG heute

Die WBG präsentiert sich heute als modern organisiertes Verlagshaus. Aktuell sind bei der WBG ca. 3500 Buchtitel lieferbar. Außer dem Buchprogramm aus rund 20 geistes- und naturwissenschaftlichen Disziplinen werden Hörbücher, CDs, CD-ROMs, DVDs, Videos, Kunstobjekte und Büchermöbel angeboten. Darüber hinaus hält die WBG für ihre Mitglieder Titel zum Download als e-book bereit. Rund 140.000 Mitglieder weltweit profitieren hiervon, ca. 20.000 leben im Ausland. 90 Mitarbeiter sind in den Bereichen Lektorat, Herstellung, Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Service, Buchhaltung und Versand beschäftigt. Der Anteil der Titel am gesamten Buchprogramm, die eigenverantwortlich von der WBG herausgegeben werden, beträgt zwei Drittel, der der Lizenzen und Koproduktionen ein Drittel.

Im Programm der WBG erscheinen jährlich ca. 250 Novitäten. Renommierte Reihen wie die „Freiherr-vom- Stein-Gedächtnisausgabe“ (FSGA) mit ausgewählten Quellen zur deutschen Geschichte, die WBG-Länderkunden, die seit über 40 Jahren im Programm sind, die „Texte zur Forschung“ (TZF), wissenschaftlich sorgfältig editierte Texte in den Originalsprachen Latein und Griechisch mit zeitgemäßen Übersetzungen, die „Gestalten der Antike“ (GDA) und die „Gestalten des Mittelalters und der Renaissance“ (GMR) werden regelmäßig um weitere Bände ergänzt. Hinzu kamen neue Reihen wie „Edition Antike“ (EDA) in den Altertumswissenschaften oder „Symbolische Kommunikation in der Vormoderne“ (SKV), „Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg“ in den Geschichtswissenschaften, „Neue Wege der Forschung“ und andere. Stark ausgebaut wurde in den letzten Jahren mit „Einführungen“, „Kompakt-Bänden“, „Werkinterpretationen“ etc. der Bereich „Studienliteratur“ in den Fachgebieten Altertums-, Erziehungs-, Geowissenschaften, in Geschichte, Theologie, Philosophie und den neueren Philologien. Das e-book-Angebot wird im Jubiläumsjahr stark ausgebaut werden.

Immer wieder werden Bücher aus der WBG-Verlagsgruppe mit Preisen ausgezeichnet, so z.B. Anton Holzers „Die andere Front“ mit dem Deutschen Fotobuchpreis, Ernst Schuberts „Essen und Trinken im Mittelalter“ mit dem Preis „Historisches Buch des Jahres der Zeitschrift Damals“ oder Peter Rothes „Erdgeschichte“ mit dem Preis „Wissenschaftsbuch des Jahres der Zeitschrift Bild der Wissenschaft“.

Mit Museen kooperiert die WBG seit 1997: Das Partnerschaftskonzept ermöglicht Museen, die sich den Themen Kunst, Kultur, Archäologie und Geschichte verschrieben haben, über die WBG und deren Tochterunternehmen, insbesondere auch in denen in der Verlagsgruppe erscheinenden Zeitschriften „Archäologie in Deutschland“ und „Antike Welt“ über ihre Ausstellungen ausführlich zu informieren und somit auch Besucherzahlen zu erhöhen. Die Ausstellungskataloge erscheinen im Gegenzug in der Buchhandelsausgabe und einer WBG-Mitgliederausgabe in der Verlagsgruppe. Ihren Mitgliedern bietet die WBG darüber hinaus in diesem Rahmen Reisen zu den entsprechenden Ausstellungen, kostenfreie oder ermäßigte Eintrittspreise und Sonderführungen an. Die Mitglieder der Museumsförderkreise bzw. –vereine können im Rahmen einer Sammelmitgliedschaft über das Museum Mitglieder der WBG werden.

Seit 2007 bietet die WBG außerdem ein Kooperationsmodell für Zeitungen an: Auch hier können die Abonnenten der jeweils kooperierenden Zeitung über eine WBG-Sammelmitgliedschaft Mitglieder der WBG werden. Sie profitieren so von den WBG-Vorteilen, wobei die Zeitung den entsprechenden Mitgliedsbeitrag übernimmt und die Bezugspflicht abdeckt.

Der Buchhandel erhält seit August 2008 alle Novitäten der Verlagsgruppe gebündelt in gemeinsamer Auslieferung über KNOe zu den jeweiligen Auslieferungsterminen.

Nach wie vor ist die WBG gemäß ihrer Gründungsidee bei ihren gesamten Aktivitäten nicht kommerziell ausgerichtet und reinvestiert erwirtschaftete Gewinne gemäß ihrer Satzung in die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur. Die WBG ist wirtschaftlich eigenständig und unabhängig, ein gutes Fundament für ihre politische und weltanschauliche Unabhängigkeit und für weiterhin qualitativ hochwertige Produkte.


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