Kultur

Aus BIT-Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Je nachdem, was unter Kultur verstanden wird, bestimmen hauptsächlich die daraus resultierenden Kulturkonzepte und die dadurch betriebene Kulturpolitik. Im deutschen Sprachraum kann in Bezug auf die Entwicklung des Begriffs eine starke Trennung von Kultur auf der einen Seite, und Zivilisation auf der anderen Seite festgestellt werden. In Deutschland verstand man die letzten zweihundert Jahre unter dem Begriff Kultur hauptsächlich das geistig, künstlerische Schaffen. In diesem Zusammenhang wurde der Begriff Zivilisation der in Verbindung mit Alltag, Politik, Technik sowie Wirtschaft etc. gebracht wurde, separat gesehen und als etwas weniger wertvoll erachtet. Diese Entwicklung lässt sich nur im deutschen Sprachraum beobachten. Im französischen und angelsächsischen Sprachraum wurden die beiden Begriffe fast ausschließlich synonym verwendet. Den engen Kulturbegriff im deutschen Sprachraum wurde schon 1937 von dem Sozialphilosoph H. Marcuse kritisiert. Er bezeichnete diesen verengten Kulturbegriff als „affirmativ“ und kritisierte jene bürgerliche Epoche, die sich anmaßte, die geistig-seelische Welt als eigenens Wertreich zu betrachten und vollkommen losgelöst von der Zivilisation zu sehen und über diese zu erhöhen. „Ihr entscheidender Zug ist die Behauptung einer allgemein verpflichtenden, unbedingt bejahenden, ewig besseren Welt, welche von der tatsächlichen Welt des alltäglichen Daseinskampfes wesentlich verschieden ist, die aber jedes Individuum ‚von innen her’, ohne jene Tatsächlichkeit zu verändern, für sich realisieren kann. Erst in dieser Kultur gewinnen die kulturellen Tätigkeiten und Gegenstände ihre hoch über den Alltag emporgesteigerte Würde; ihre Rezeption wird zu einem Akt der Feierstunde und der Erhebung.“ Gegenüber dieser Auffassung steht ein weiter Kulturbegriff wie er in der modernen Kulturanthropologie und Ethnologie verwendet wird. Für den britischen Ethnologen und Gründervater dieser modernen Kulturanthropologie E. B. Tylor ist Kultur „ jenes komplexe Ganze, das Wissen, Glauben, Kunst, Moral, Recht, Sitte, Brauch und alle anderen Fähigkeiten umfasst, die der Mensch als Mitglied einer Gesellschaft erworben hat.“ Der deutsche Anthropologe W. E. Mühlmann versteht unter Kultur die „Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung, einschließlich der sie tragenden Geistesverfassung, insbesondere der Wert-Einstellung.“ Neben dem hier aufgezählten engen und weiten Kulturverständnis wird auf anderen Ebenen versucht, den Kulturbegriff für Zwecke der Statistik auf normativer Grundlage zu beschreiben. Das UNESCO Framework for Cultural Statistics operiert mit insgesamt zehn deskriptiven Kategorien welche in verkürzter Form sind:

  • 1. Kulturelles Erbe
  • 2. Druckerzeugnisse und Literatur
  • 3. Musik
  • 4. Darstellende Kunst
  • 5. Bildende Kunst
  • 6. Film und Fotografie
  • 7. Hörfunk und Fernsehen
  • 8. Sozio-kulturelle Aktivitäten
  • 9. Allgemeine Verwaltung der Kultur und nicht einzuordnende Tätigkeiten
  • 10. Sport und Spiele
  • 11. Natur und Umwelt

Bringt man den Kulturbegriff in Verbindung mit Kulturmanagement ist Kultur weit weniger als Kultur im anthropologischen Sinne. Es kann die Art und Weise wie sich gekleidet, ernährt etc. nicht Aufgabe des Kulturmanagements sein. Allerdings darf der Kulturbegriff nicht nur auf die Kunst bezogen werden, da auch ein Heimatmuseum, ein Kinderkulturfest und dergleichen Gegenstand des Kulturmanagements sind.

[Bearbeiten] Literatur

  • Kulturmanagement von A bis Z. Wegweiser für Kultur und Medienberufe von Werner Heinrichs und Armin Klein. München: dtv, 2. Aufl. 2001
  • Hansen, K. P.: Kultur und Kulturwissenschaft, Tübingen/Basel 1995; UNESCO-Empfehlungen zur Internationalen Vereinheitlichung der Statistiken über die öffentliche Finanzierung kultureller Tätigkeiten; in: Bundestagsdrucksache 9/963