Fahrbibliothek
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[Bearbeiten] Begriff, Definition
Eine Fahrbibliothek ist eine mobile öffentliche Bibliothek zur aktuellen Informationsvermittlung veröffentlichter Medien entsprechend dem Grundbedarf von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die in Stadtrandgebieten von Großstädten oder in ländlichen Städten und Gemeinden wohnen bzw. allgemeinbildende Schulen besuchen. Fahrbibliotheken sind meist Zweigstellen von Stadtbibliotheken oder selbständige Einrichtungen von Landkreisen oder Bibliotheksvereinen. Die ihre Mobilität kennzeichnenden Begriffe, z.B. Fahr-, Wander-, Auto-, Bus-, Schiffs-, Straßenbahn-, Eisenbahn- bzw. –auto, --bus, -schiff werden der Bezeichnung „Bibliothek“ oder „Bücherei“ voran- oder nachgestellt. Der Begriff umfasst Fahrzeug, Depot, Personal, Bestand, Benutzer, Vermittlungsprozess, Route, Turnus, Haltepunkte, Fahrbibliothekstechnologie, Informationstechnik usw.
[Bearbeiten] Geschichte der Fahrbibliotheken
Die erste Entwicklung von Fahrbibliotheken erfolgte in den USA. Vorläufer waren die „Travelling libraries“, von denen 1899 über 2500 gezählt wurden, die etwa 1 Million Bürger versorgten. Das waren Bücherkisten auf Pferdewagen mit der benötigten Garten- und Landbauliteratur, Büchern für Schule und Handwerk, Belletristik und Erbauungsliteratur, Naturkunde- und Englischbücher usw. Ab 1905 tourten von Washington aus regelmäßig Pferdewagen mit jeweils mindestens 300 Büchern zu Siedlungen und Farmen in Maryland. Damit begann hier die Geschichte der Fahrbibliothek. Während des 1. Weltkrieges veröffentlichte Walter Hofmann (Leipzig) „Die kleine Feldbücherei“ und organisierte zusammen mit dem Militärpfarrer Ludwig Hoppe „Fahrbare Kriegsbüchereien“. Auch der Soldat Sandmann aus Dresden führte eine solche Bibliothek.
In den USA und Großbritannien wurden um 1919 motorisierte Bibliotheken eingesetzt, deren Anzahl langsam, aber stetig anwuchs. Nach 1945 beschleunigte sich die Verbreitung von Fahrbibliotheken in den USA enorm.
Die erste deutsche motorisierte Fahrbibliothek wurde im November 1925 in Worms zur Versorgung der umliegenden Dörfer nach amerikanischem Vorbild von Bibliotheksdirektor Friedrich M. Illert eingesetzt und umfasste ungefähr 600 Bände. In 5 Routen wurden 52 Dörfer angefahren und in 3 Jahren 32600 Bände vor allem Belletristik und Reisebeschreibungen ausgeliehen. Der 20 PS starke schwarze Kastenwagen „Ford-T“ mit attraktiven Weißwandpneus auf Holzspeichenfelgen wurde von einem Lederfabrikanten gesponsert und besaß am Heck zwei große Türen zur Beleuchtung, Lüftung, Beladung und zur Leserbedienung in gebundener Ausleihe durch einen Büchereigehilfen und einen Fahrer. Im November 1928 musste die Fahrbibliothek ihren Dienst wegen finanzieller Schwierigkeiten einstellen.
Die zweite deutsche motorisierte Fahrbibliothek wurde 1927 im Saarland durch Dr. Adolf Waas eingesetzt. Ihr Zweck war die Verbreitung von deutscher Literatur im damals von Deutschland getrennten Land. Das Fahrzeug, ein 45 PS KRUPP L3N Kastenwagen fasste circa 1800 Bücher, weitere 4500 wurden im Ergänzungsmagazin im Depot vorgehalten. Im 14-Tage-Turnus wurden 15 Orte aufgesucht und 1929 58.212 Bände (davon 30 % belehrende Literatur) an zu 69% „proletarische Leser“ ausgeliehen. An hohen Festtagen wurden 2 Bücher pro Leser ausgegeben, wovon eines belehrend sein musste. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h fielen im Hügelland die Bücher oft aus den Regalen. Die Leserberatung am Buchkartenapparat fand meist im Schulhaus statt, wohin der Fahrer die ausgewählten Titel aus dem Auto brachte.1930 wurde ein zweites Fahrzeug in Dienst gestellt. 1934 liquidierten die Nazis die Arbeit dieser Fahrbibliotheken, weil durch sie „kein Höchstmaß an volksdeutscher Arbeit“ geleistet würde.
Im Jahre 1928 begann die „Münchner Wanderbücherei“ auf Initiative von Prof. Hans Ludwig Held ihren Dienst. Das Fahrzeug war eine Straßenbahn (Baujahr 1912), die vor allem Kinder, alte Menschen und Hausfrauen in ihren Wohngebieten erreichen sollte. Diese Wanderbücherei war bis April 1970 in Betrieb. Mit 42 Betriebsjahren war sie wohl die älteste Fahrbibliothek der Welt. Sie hatte 8 stark frequentierte Haltepunkte in verschiedenen Stadtteilen. 1951 wurde nach dem Konzept von Erwin Seestaller eine Autobücherei für Neubaugebiete eingerichtet, die nicht durch die Straßenbahn erreicht werden konnten. Dazu wurde ein alter städtischer Linienbus zu einer Fahrbibliothek umgebaut. Als der Bus zu klein wurde für die wachsende Anzahl der Bücher, wurde 1956 ein wesentlich größerer Omnibus in Dienst gestellt und der kleine Bus zur ersten Münchner „Jugendwanderbücherei“ umfunktioniert. Schulverwaltung und Stadtbibliothek realisierten seitdem schrittweise die Versorgung aller Grund- und Hauptschulen in München und stellten dazu 1962 und 1964 weitere Fahrzeuge in Dienst. 1977 wurden von diesen an 21000 Schüler über 400.000 Bände entliehen. Die Erneuerung dieser Fahrzeuge erfolgte unter Leitung von Horst Buschendorf, dem exzellenten Experten der deutschen Fahrbibliotheken. 1967 verwirklichte Buschendorf die erste mobile Werkbücherei z.B. für die Belegschaften von Dornier, Bayerischem Rundfunk, Philip-Morris u.a. 1970 wurde für diese Aufgabe der erste Gelenkzug realisiert, der 6000 Bänden aufnahm und über 40m² Nutzfläche aufwies. 1980 wurde in München ein noch größerer Gelenkzug in Dienst gestellt, der mehr als 7500 Bände Kapazität hatte. 2007 waren in München 5 Busse unterwegs. Die 4 Juniorenbusse versorgen im 14-Tage-Tournus 86 Schulen und haben seit 50 Jahren mehr als 20 Millionen Medien an Münchner Schüler verliehen.
In Dresden beantragte der Direktor der Stadtbibliothek Dr. Löckle im November 1926 Räume für eine „Autowanderbücherei“, im Mai 1927 beschlossen die Stadtverordneten einstimmig die Denkschrift zur Einrichtung einer Fahrbücherei, im Dezember 1928 konnte das Depot der Fahrbücherei bezogen werden und am 12. September 1929 wurde die Fahrbücherei in Betrieb genommen. In dem umgebauten Bus fanden 3000 Bände Platz, im Depot standen weitere 5000 Bände sowie für Einzelentleihungen die Bestände der Hauptbibliothek zur Verfügung. Die Baupläne wurden vom späteren Leiter Oberbibliothekar Sandmann fachgerecht entworfen und erbrachten eine gut funktionierende Bibliothek mit einer großen Tür und ausklappbarer Treppe an der Rückseite des Fahrzeugs und Fenstern neben der Ausleihtheke. Es war eine elektrische Heizung eingebaut mit Anschlüssen an das städtische Elektronetz an den Haltestellen. Das Fahrzeug war 9 Meter lang, 2 Meter breit und zunächst mit Hartgummi bereift. Es wurden 13 Haltestellen, 7 davon 2x pro Woche, in den Vororten Dresdens angefahren. Benutzungsberechtigt waren Dresdener ab 14 Jahre, die im Jahr 1 Mark Benutzungsgebühr bezahlen mussten, Erwachsene 2 Mark. Die Resonanz der Dresdener war groß und es wurden Tageausleihen von 300 bis 400 Büchern erzielt, obwohl nur 1 Band pro Benutzer entliehen werden durfte. 1933 wurden der Direktor der Bibliothek und der Leiter der Fahrbücherei von den Nazis entlassen und am 30. August 1939 wurde die Fahrbücherei beschlagnahmt, als Sanitätswagen umgebaut und ist im Krieg verschollen.
Ebenfalls im Jahr 1929 nahm die Fahrbibliothek in Frankfurt am Main ihren Dienst auf. Sie bestand als LKW bis 1934 und wurde dann von einem PKW mit Anhänger abgelöst und war bis 1944 in Betrieb. 1931 wurde eine Fahrbibliothek der Stadtbibliothek Köln in Betrieb genommen, deren Einsatzdauer und Verbleib noch unbekannt ist.
Während des Krieges wurden die Fahrbibliotheken zerstört, so dass nach 1945 ein Neuanfang folgen musste. Dieser wurde von den Amerikanern initiiert, die zur Förderung der Demokratisierung in vielen Städten ihrer Besatzungszone Amerika-Häuser gründeten, zu denen auch „Bookmobils“ gehörten. Anfangs beinhalteten diese englisch-, später auch deutschsprachige Literatur, die „freihand“ ausgeliehen werden konnte. Dieses Angebot wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen, weil es sich um viele Bücher handelte, die während der Nazizeit verboten oder unerwünscht waren und zudem kostenlos ausgeliehen werden konnten.
1949 wurde in Dresden eine Straßenbahnbibliothek eingerichtet. 1952 kam eine Fahrbücherei hinzu und in den Jahren 1964/65 wurde auf Freihand umgestellt.
Seit dem Jahr 1951 wurden neue Fahrbibliotheken in den Großstädten der alten Bundesländer in Betrieb genommen, in der Regel umgebaute städtische Fahrzeuge, alle als Freihandbibliotheken mit wachsendem Fassungsvermögen. 1958 bot die Firma Kässborer Sattelschlepper an, die groß, geräumig und attraktiv waren und einen Boom auslösten. Bis 1980 wurden 128 Fahrbibliotheken in Betrieb genommen, davon 76% in Großstädten. 1972 waren auch 8 Fahrbibliotheken in der DDR in Betrieb und 1973 wurde die erste Fahrbibliothek in Leipzig eingesetzt, aber wegen fehlendem Fahrzeugangebot und Benzinrationierung gab es bald keine Expansionsmöglichkeiten. Nach der Wende 1989/90 wurden Altfahrzeuge sowie 30 neue Fahrbibliotheken aus Bundes, Landes- und Kommunalmitteln solidarisch finanziert in die neuen Bundesländer gegeben, so dass 1993 in Deutschland 189 Fahrzeuge im Einsatz waren.
[Bearbeiten] Gegenwärtiger Stand
Das Jahr 1993 markiert den ersten Höhepunkt der Fahrbibliotheksentwicklung in Deutschland. Seitdem sank die Anzahl der Fahrbibliotheken auf Grund drastischer Sparmaßnahmen ständig. Schleswig-Holstein besitzt als einziges Bundesland ein flächendeckendes Fahrbibliotheksnetz, das durch eine Fahrbibliothek für die dänische Minderheit bereichert wird. Eine Umfrage 2008 ergab folgende Ergebnisse:
Anzahl der Fahrbibliotheksbetreiber/Fahrzeuge:
Baden-Württemberg 11/12
Bayern 9/14
Berlin 6/9
Brandenburg 5/6
Bremen 1/1
Hamburg 1/2
Hessen 5/7
Mecklenburg-Vorpommern 5/5
Niedersachsen 7/7
Nordrhein-Westfalen 15/15
Rheinland-Pfalz 1/2
Saarland 1/1
Sachsen 8/9
Sachsen-Anhalt 7/7
Schleswig-Holstein 12/14
Thüringen 3/3
insgesamt 97/114
[Bearbeiten] Träger und Finanzierung von Fahrbibliotheken
57% der Fahrbibliotheken werden von den Städten und 22% von den Landkreisen unterhalten, 17 % von Vereinen und 4% sind Mischformen. Das Fahrbibliotheksnetz des Landes Schleswig-Holstein wird vom Büchereiverein Schleswig-Holstein e.V. getragen. Da die Vereine die Fahrbibliotheken nicht kostendeckend führen können, sind sie auf Zuschüsse von Ländern und Kommunen angewiesen. Im Jahr 2005 lagen in Schleswig-Holstein die laufenden Kosten einer Fahrbibliothek einschließlich 2,5 Personalstellen bei 200.000 EURO. Die Mehrzahl (87%) der Fahrbibliotheken ist in den Bibliothekssystemen der Großstädte integriert, die übrigen sind organisatorisch eigenständig.
[Bearbeiten] Aufgaben einer Fahrbibliothek
Eine Fahrbibliothek soll die bibliothekarische Grundversorgung der Bürger sichern, die von einer ortsfesten öffentlichen Bibliothek zu weit entfernt wohnen. Dies betrifft den dünn besiedelten ländlichen Raum wie auch die Vororte und Randgebiete von Großstädten. Fahrbibliotheken können auch temporär in städtischen Neubaugebieten eingesetzt werden, bis dort eine stationäre Zweigstelle errichtet worden ist oder können wegen Rekonstruktion zeitweilig geschlossene Zweigstellen vertreten. Fahrbibliotheken werden auch speziell zur Versorgung der Grund- und Hauptschüler eingesetzt oder auch von Heimbewohnern, Betriebsbelegschaften , Kindergärten u.ä. Jeder Bürger des Versorgungsgebiets ist potentieller Benutzer, also Kinder, Jugendliche, Hausfrauen, Familien, ältere Menschen und alle dazwischen bilden die Zielgruppen, wie bei jeder Öffentlichen Bibliothek. Die Praxis zeigt jedoch, dass vor allem Kinder, Hausfrauen und ältere Menschen die Fahrbibliothek nutzen, da sie in ihrer Mobilität oft eingeschränkt sind. Eine wichtige und erfolgreiche Aufgabe ist die Versorgung von Schulen, wie dies zum Beispiel mit vier speziellen „Bücherbussen Junior“ in München für 86 Schulen erfolgt. Für einen gezielten Einsatz einer Fahrbibliothek ist es unerlässlich, eine Gemeinwesenanalyse des Versorgungsgebiets zu erstellen. Ziel bei allem ist eine sachgerechte professionelle Literatur- und Informationsversorgung durch Zugang zu Medien und Informationen und ihre Vermittlung, durch Einführungen in die Bibliotheks- und Medienbenutzung, Leseförderung. Buchempfehlungen, Auswahllisten, Buchpakete für die ersten Klassen, Klassensätze, aber auch Ausstellungen, Autorenlesungen, Preisausschreiben und Lesewettbewerbe usw.. Häufig ist es so, dass das Publikum der Fahrbibliothek nach einer Weile aus einem festen Kern besteht und der Bibliothekar diese Benutzer sehr gut kennt. Hierdurch ist es möglich, sehr individuell auf die spezifischen Interessen und Wünsche einzugehen und den Bestand entsprechend zu sortieren. Damit ist der Einsatz einer Fahrbibliothek ein unverzichtbares Mittel bei der Gewährleistung des Bürgerrechts, sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten (Artikel 5 Grundgesetz)
[Bearbeiten] Leistungsparameter
Das Leistungsvermögen einer Fahrbibliothek wird durch verschiedene Faktoren bestimmt:
[Bearbeiten] Parameter des Versorgungsgebiets
Einwohnerzahl, Altersstruktur, Besiedlungsstruktur, Schulstruktur usw. Bevölkerungswachstum, Migrationstendenzen Knotenpunkte, Bevölkerungstreffpunkte wie Ämter, Kaufhallen, Ärztehäuser, Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, Großbetriebe usw. Laut „Bibliotheken ´93“ soll eine Fahrbibliothek 25.000 EW (Einwohner) versorgen – in Schleswig-Holstein umfasst heute ein Versorgungsgebiet zwischen 25.000 bis 64.000 EW und 4 – 9 % der Bevölkerung sind dort als Benutzer der Fahrbibliotheken registriert.
[Bearbeiten] Parameter der Personalstruktur
Arbeitszeitfonds, 5-Tage-Woche, Urlaubsanspruch, Weiterbildung, Zahl und Qualifikation der Mitarbeiter (Bibliothekar, Fachangestellter, Fahrer laut „Bibliotheken 93“) Schleswig-Holstein fährt 2006 durchgängig mit nur 2,5 Personalstellen. Zwei Personen davon sollten den Bus fahren dürfen.
[Bearbeiten] Parameter des Fahrzeugs
5000 Medieneinheiten, kleiner Wendekreis, technisch immer einsatzfähig usw.
[Bearbeiten] Bestandsparameter
Nach „Bibliotheken 93“ Startbestand mindestens 12.000 Me(Medieneinheiten), Grundausstattung 30.000 Me, Entwicklungsziel 2 Me/EW (Einwohner). In Schleswig-Holstein standen 2006 0,5 – 1,2 Me/EW zur Verfügung, Höchstleistungen wurden mit 0,9 – 1,2 Me/EW erzielt.
[Bearbeiten] Parameter des Tourenplanes
Einsatzmöglichkeiten. Täglich 9 – 19 Uhr (10 Stunden), 6 Tage pro Woche. Begrenzt durch die Wochenarbeitszeit des Fahrers und des Bibliothekars, also 40 Stunden, die oft auf 4 Tage aufgeteilt werden: 10 Stunden Belade-, Entlade-, Revisions- und Pflegezeit 10 Stunden Fahrzeit (je nach der Verkehrsstruktur) 20 Stunden Öffnungszeit, Ausleihzeit (Standzeit an den Haltestellen). Schleswig-Holstein weist im Landeinsatz 2006 19 – 21 Öffnungsstunden aus. Bei Stadtrandeinsatz täglich 1-2 Haltestellen. Mehr Haltestellen ermöglichen, dem Benutzerwohnsitz näher zu kommen, verkürzen aber die mögliche Haltedauer. In der Stadt sollen die Haltestellen wöchentlich angefahren werden. Bei Landeinsatz wöchentlich 15 – 20 Haltestellen, bei 14-Tage Rhythmus 30 – 40 Haltestellen mit mindestens 30 Minuten Ausleihzeit, bei kleinen Siedlungen auch kürzer, in großen Gemeinden länger. Vereinzelt haben Fahrbibliotheken einen 4-Wochen-Rhythmus, wozu sie einen überdurchschnittlich umfangreichen Bestand benötigen, aber über 150 Siedlungen anfahren können. Die Tourenpläne bedürfen der sorgfältigen Vorbereitung und laufenden Anpassung.
[Bearbeiten] Finanzielle Parameter
Die Fahrbibliotheken Schleswig-Holsteins benötigten 2006 pro Einrichtung an Personal-, Medien- und sonstigen Kosten insg. 180 000 – 250.000 EURO und aller 15 – 20 Jahre ein neues Fahrzeug, das 2006 je nach Typ und Ausstattung 250.000 -450.000 EURO kostete. Pro Einwohner wurden 2006 in Schleswig-Holstein 5 EURO für die Fahrbibliotheken ausgegeben.
[Bearbeiten] Parameter für Haltestellen an Schulen
Haltemöglichkeit im abgeschlossenen Schulhof, keinesfalls auf der Straße. Absprache von gestaffelten Freistunden für den Bibliotheksbesuch usw.
[Bearbeiten] Fahrzeug
Zu Fahrbibliotheken wurden früher Busse und auch LKW aus dem Gebrauchtwagenbestand der städtischen Verkehrsbetriebe umgebaut. Heute werden von einigen Spezialfirmen auf der Basis von Bussen oder Koffer-LKW oder Sattelschleppern Fahrbibliotheken neu aufgebaut. Zwar besitzt der LKW einige Nachteile gegenüber dem Bus, weil er schlechter gefedert ist und der höhere Fahrzeugboden einen Treppenaufgang erfordert, aber der LKW ist in der Anschaffung bis zu 100.000 Euro günstiger. Der Aufbau und die Einrichtung eines Fahrzeuges sind an bestimmte Anforderungen gebunden. So muss der Raum vorteilhaft eingeteilt werden. Dabei sind Entscheidungen, wie Seiten- oder Heckeinstieg oder die Theke mittig oder an der Vorder- bzw. Rückseite zu treffen. Der vorhandene Platz im Fahrzeug muss bis zum letzten Winkel genutzt werden. Die Medienregalbretter müssen angeschrägt und variabel den unterschiedlichen Mediengrößen optimal angepasst sein sowie Feststeller für die Medien während der Fahrt besitzen. Außerdem ist Platz für Computer und anderweitige Bibliotheksutensilien vorzusehen. Da sich das Personal bis zu 8 Stunden in der Fahrbibliothek aufhält, sind bestmögliche Arbeitsverhältnisse von großer Bedeutung. Dazu tragen beispielsweise gute zusätzliche Heizungs- und Lüftungsmöglichkeiten, ausreichendes Licht mit zusätzlicher Batterieanlage, aber auch Schutz vor Sonneneinstrahlung durch Jalousien sowie eine Toilette bei. Der Fußboden muss rutschfest und trittfest sowie leicht zu reinigen sein. Während der Fahrt ist für jeden Mitarbeiter ein verkehrssicherer Sessel mit Sicherheitsgurt erforderlich, der während der Ausleihe drehbar zur Verfügung steht. Die Tür muss eine dicht schließende Außenschwing-Druckluft-Anlage besitzen. Außerdem soll eine ansprechende Außengestaltung des Fahrzeugs erfolgen, damit die Fahrbibliothek während der Fahrt und am Standort auffallend werbewirksam ist.
[Bearbeiten] Depot
Das Depot einer Fahrbibliothek dient in erster Linie zur Unterbringung des Ergänzungsbestands und der Arbeitsräume für die Mitarbeiter. Hier werden alle Arbeiten ausgeführt, die nicht im Fahrzeug stattfinden, beispielsweise die Arbeit mit dem Bestand oder die Statistik, Analyse, Planung und Leitung. Von hier aus werden die Vorbestellungen der Benutzer bearbeitet z.B. durch Entnahme von Medien aus dem Ergänzungsmagazin bzw. dem Stadtnetz und Rückführung von Stadtnetzmedien. Hier werden die für jede Tour speziellen Unterlagen bereitgestellt, Das Depot muss sich im Erdgeschoss befinden und soll eine Garage für das Fahrzeug, mindestens aber einen gesicherten Standplatz besitzen. Die günstigste Variante ist die Ansiedelung des Depots bei der Hauptstelle oder einer leistungsstarken Zweigstelle der Stadtbibliothek, wobei die Fahrbibliothek trotzdem eine selbständige Zweigstelle bleibt. Die Depotgröße wird vom Umfang des Ergänzungsbestandes bestimmt, der wiederum von der Zahl der zu versorgenden Einwohner abhängt.
[Bearbeiten] Der Bestand
[Bearbeiten] Gesamtbestand
Jede Fahrbibliothek muss über einen eigenen Medienbestand zur Erfüllung ihrer Aufgaben bei der Grundversorgung der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen mit Literatur und Informationen verfügen. Der Gesamtbestand gliedert sich in den Bestand im Fahrzeug und den Ergänzungs- bzw. Austauschbestand, der sich im Depotmagazin der Fahrbibliothek befindet, sowie die Gruppe der Medien, die von den Benutzern ausgeliehen worden sind Der Ergänzungsbestand dient der Ergänzung bzw. dem Austausch einzelner Titel bzw. Teilbestände aus dem Fahrzeug, um differenzierenden Leseinteressen und Bedürfnissen der Benutzer des Versorgungsgebiets entsprechen zu können.
[Bearbeiten] Bestandsgröße
Der Gesamtbestand muss laut „Bibliotheken ´93“ ca. 30.000 Me, mindestens jedoch 12.000 Me, umfassen für die Versorgung von 25.000 EW und soll 2 Me pro EW des Versorgungsgebiets anstreben. Geht man von den in „Fahrbibliotheken in Deutschland“ veröffentlichten Daten aus, so umfasst der Bestand einer deutschen Fahrbibliothek durchschnittlich 24.000 Me und 2006 in Schleswig-Holstein18. 000 – 34.000 Me. Tatsächlich wird der empfohlene Wert von 2 Me pro Einwohner kaum erreicht. Dagegen ist 1,2 Me pro EW des Versorgungsgebiets ein realistischer Richtwert, der hohe Versorgungsleistungen ermöglicht. Wenn allerdings Haltestellen nur alle 3 – 4 Wochen angefahren werden, erhöht sich die Zahl der Medieneinheiten, die sich über Wochen bei den Benutzern befinden, enorm und verlangt nach umfangreicheren und auch gestaffelten Beständen.
[Bearbeiten] Bestandsinhalte und Bestandszusammensetzung
Fahrbibliotheken gewährleisten, dass sich die Bürger aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert unterrichten können (Grundgesetz Artikel 5) Sie dienen also der Befriedigung von Informationsbedürfnissen der gesamten Bevölkerung, insbesondere für Teilnahme am öffentlichen Leben, schulische Ausbildung, allgemeine Weiterbildung, Persönlichkeitsentwicklung und Sinnorientierung, Alltagsmanagement und Hobby und Freizeit. Aus diesen Aufgaben ergibt sich die inhaltliche Grundorientierung für die Zusammensetzung des Bestandes, der für die Hauptbenutzergruppen Kinder und ältere Bürger akzentuiert wird. Der Gesamtbestand enthält Belletristik und Sachliteratur jeweils für die entsprechenden Zielgruppen. So werden im Bereich der Belletristik für Erwachsene „Highlights“ der Unterhaltungsliteratur (z.B.: Bestseller oder Titel zu aktuellen gesellschaftlichen Problematiken) und ausgewählte Titel von namhaften Autoren der Gegenwart angeboten. Beim Kinderbuchbestand muss besonders darauf geachtet werden, dass für alle Altersgruppen Vorschulalter, Erstlesealter, 3. – 4. Schuljahr und 5. -8. Schuljahr eine auch für Vielleser ausreichende Titelbreite vorhanden ist. Das Angebot an Sachliteratur ist in der Regel eher allgemein gehalten. So wird vor allem Reise- und Ratgeberliteratur zur Verfügung gestellt. Zu aktuellen Themen wird auch vertiefende oder speziellere Sachliteratur angeboten. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich Hörbücher. Außerdem müssen einige aktuelle Zeitschriften sowie Spiele und audiovisuelle Medien (CD, DVD, CDROM) zur Verfügung stehen. Im Bereich der audiovisuellen Medien wird für öffentliche Bibliotheken, und somit auch für Fahrbibliotheken, ein Anteil von 20% am Gesamtbestand empfohlen. Tatsächlich beträgt der Anteil in deutschen Fahrbibliotheken jedoch nur rund 7%. Der Bestand einer Fahrbibliothek ähnelt dem Bestand einer stationären Zweigstelle einer öffentlichen Bibliothek. Aufgrund der Raumknappheit des Fahrzeugs und um die Titelbreite des Medienangebots so vielseitig wie möglich gestalten zu können, wird auf Staffelexemplare im Fahrzeug weitgehend verzichtet. Von vielgefragten Titeln müssen vor allem bei einem 3 – 4 Wochen Turnus Staffelexemplare aus dem Depot angeboten werden können.
[Bearbeiten] Bestandserschließung
Da die Fahrbibliothek nur einen kleinen Teil des Bestandes im Fahrzeug anbieten kann, ist sie mehr als alle anderen Zweigbibliotheken auf ein Bestandsnachweis- und Erschließungsinstrument an Bord angewiesen. Heute sind mehr als ein Drittel der Fahrbibliotheken online an das Bibliotheksinformationssystem ihres Bibliotheksnetzes angeschlossen. Dort stehen OPAC und INTERNET für eine umfassende aktuelle Recherche voll zur Verfügung. Erst damit ist eine umfassende Benutzerbetreuung in hoher Qualität möglich. Erwerbung und Erschließung der Medien finden in der entsprechenden zentralen Abteilung des Bibliotheksnetzes statt. Die Zuordnung der Medien zu thematischen Gruppen kann auch im Depot erfolgen, wobei sich die Fahrbibliothek meist auf relativ wenige Gruppen beschränkt.
[Bearbeiten] Bestandsaufbau
Der Bestandsaufbau soll auf der Grundlage einer Bestandkonzeption stattfinden. Inhalt dieser sind u.a. die gewünschte Qualität (Niveau) und Quantität (Umfang), die mediale Zusammensetzung (Ausgewogenheit), der angestrebte Umsatz sowie Entleihungen und Effizienz. Die Verantwortung über den Bestandsaufbau muss der Fahrbibliotheksleiter tragen, da nur dieser und die Mitarbeiter die Spezifik der Bedürfnisse der zu versorgenden Benutzer kennen.
[Bearbeiten] Benutzung - Vermittlung
Die Benutzungsmöglichkeiten der Fahrbibliothek regeln sich nach dem Haltestellenfahrplan, über den im Versorgungsbereich ständig und weit verbreitet informiert werden muss. Da die Fahrbibliothek nur einmal in der Woche oder nur aller 2-3 Wochen relativ kurz an den einzelnen Haltestellen steht, haben die Benutzer nur einen geringes Zeitlimit für den Besuch der Fahrbibliothek und das Personal hat oft kurzfristig einen Besucheransturm zu bewältigen. Die Benutzer haben kaum Zeit, um die Medien anzulesen oder in sie hineinzuhören und entleihen je mehr Medien, je länger die Abstände der möglichen Bibliotheksbesuche sind. In Schleswig-Holstein wurden 2006 im Jahresdurchschnitt von jedem Benutzer 40 – 72 Me entliehen. Vielfach bleibt an den einzelnen Haltepunkten zu wenig Zeit für die Rücksortierung aller Medien. Es gilt die Benutzungsordnung des städtischen Bibliotheksnetzes – eigenständige bzw. von Vereinen getragene Fahrbibliotheken haben eine eigene Benutzungsordnung. In diesen sind längere Leihfristen und geringere Gebühren für Leihfristüberschreitungen festgelegt sowie Ausnahmeregelungen bei Fahrzeughavarien und Ferienzeiten sowie Fahrplanänderungen enthalten. Da die Fahrbibliothek höchstens einmal pro Woche bzw. aller 2-3 Wochen nur kurz erreichbar ist, sind Kulanzregelungen für erkrankte oder verhinderte Benutzer dringend angeraten. Zur Benutzung der Fahrbibliothek ist ein Leseausweis nötig, welcher entweder im gesamten Netz der Stadtbibliothek gilt oder ein eigener Ausweis der Fahrbibliothek ist. In vielen Fahrbibliotheken (76%) werden die Ausleihen per EDV verbucht. Mit Einführung der EDV hielt auch der OPAC für die Recherche Einzug in die Fahrbibliotheken, da die Computer in das System der Stadtbibliothek eingebunden sind. Ca. 35% der Fahrbibliotheken haben bereits eine Online-Verbuchung. Die Übertragung der entsprechenden Daten erfolgt entweder per Mobilfunk mit GPRS (13%) oder per Mobilfunk mit UMTS (22%). Damit ist auch die Verfügbarkeit der Medien sofort an jeder Haltestelle prüfbar. Ebenso ist es möglich, dass Benutzer Medien aus anderen Zweigstellen bestellen und vormerken lassen können. Auch die Aufgabe einer Fernleihe ist möglich. Internetrecherchen sind in den Fahrbibliotheken mit GPRS oder UMTS möglich, werden aber meist nur von den Bibliothekaren durchgeführt, so lange es keinen von der Ausleihverbuchung unabhängigen Laptop für Benutzer gibt. Die Informations- und Bestandsvermittlung erfolgt auch durch Bibliotheksein-führungen für Schüler, Leseförderung, themenbezogene Projekte für Kindergruppen und Schulklassen sowie Lesungen. Kern der bibliothekarischen Vermittlungstätigkeit ist aber das individuelle Gespräch mit dem Benutzer oder der Kindergruppe im Fahrzeug.
[Bearbeiten] Personal und Tätigkeitsfelder
Nach „Bibliotheken 93“ sollten zur Grundausstattung einer Fahrbibliothek 3 Personalstellen gehören: 1 Bibliothekar/Bibliothekarin 1 Assistent/-in /FAMI 1 Fahrer. In einer Befragung von 2006 gaben von 95 Fahrbibliotheken 97% an, einen eigenen Fahrer zu haben und 3% werden durch einen externen Fahrer gefahren. Bei 22% der Fahrbibliotheken fährt zusätzlich auch das Fachpersonal. Je nach ihrer Qualifikation erfüllen die Mitarbeiter unterschiedliche Aufgaben. Der Bibliothekar ist verantwortlicher Leiter der Fahrbibliothek. Er leistet statistische, analytische und konzeptionelle Arbeit zur Aufgabenrealisierung, erstellt Pläne und vertritt die Fahrbibliothek im Team der Zweigstellenleiter. Er verhandelt mit Schulen und Gemeinden, klärt die Einrichtung neuer Haltestellen usw. Er verantwortet die Dienstplanung, den Dienstablauf und die Organisation und Tourenplanung der Fahrbibliothek sowie die Planung und Abrechnung der Arbeitsergebnisse und der Verwaltungsangelegenheiten. Er führt und schult das Personal, Auszubildende und Praktikanten. Er betreibt Öffentlichkeitsarbeit und bereitet Veranstaltungen vor. Er entscheidet über den Bestandsaufbau auf der Grundlage selbständiger Information über Neuerscheinungen. Er berät und informiert Benutzer während der Ausleihzeiten und engagiert sich für die Leseförderung durch Schulkontakte und Klassenführungen.
Zum Aufgabenfeld des Assistenten/FAMIs zählt vor allem der Benutzungsdienst mit Ausleihe, Anmeldung und Einführung von Nutzern, auch Auskunft und Beratung, sowie Rücknahme, Kontrolle, Ordnen und Einstellen der Medien und tägliche Aktualisierung des Medienangebots im Fahrzeug. Der Assistent/FAMI führt außerdem die Schlussbearbeitung neuer Medien oder das Umsignieren von Medien durch, kontrolliert die Lieferung von Zeitschriften oder stellt Sendungen für den Buchbinder zusammen. Er führt die Tageskasse, die Tagesstatistiken und verantwortet das Mahnwesen und verwaltet das Depot. Er bearbeitet die Medienvorbestellungen und die Medienbeschaffungen aus anderen Bibliotheken Er betreut die Informationstechnik. Er wirkt an Öffentlichkeitsarbeit und Werbung und an den Bibliothekseinführungen mit.
Auch dem Fahrer fallen neben der Fahrzeugführung oft weitere Aufgaben zu: für einen reibungslosen Betrieb der Fahrbibliothek muss er sich um die Pflege des Fahrzeugs kümmern. Weitere mit dem Fahrzeug zusammenhängende Arbeiten kommen hinzu, wie die Führung des Fahrtenbuchs und der Fahrtenschreiberformulare. Neben diesen Aufgaben wirkt der Fahrer auch an der Ausleihe, Rücknahme, Verlängerung und dem Einstellen von Medien mit und erteilt organisatorische Auskünfte. Sind im Plan der Fahrbibliothek nur wenige Haltestellen und wenig Personal vorhanden, übernimmt der Fahrer neben der Fahrtätigkeit auch technischen Arbeiten des Assistenten, denn jeder Mitarbeiter der Fahrbibliothek muss alle während der Öffnungszeit anfallenden Aufgaben erledigen können. Die Arbeit in einer Fahrbibliothek unterscheidet sich nicht nur wegen der Ortsungebundenheit von der in einer stationären Bücherei. Im Bücherbus sind die Mitarbeiter schwierigen äußeren Bedingungen ausgesetzt: In dem Fahrzeug herrschen vor allem im Sommer und Winter starke klimatische Einflüsse, denen der Mitarbeiter kaum aus dem Weg gehen kann. Die Arbeit in der Fahrbibliothek bedeutet Arbeit mit Stoßbetrieb, es steht nur ein sehr kleiner Arbeitsplatz zur Verfügung. Das Personal hat mitunter lange, durchgängige Arbeitszeiten und auch in den eventuellen Pausen keine Rückzugsmöglichkeiten. An den Haltestellen herrscht eine ständige körperliche Nähe zum Benutzer. Und wenn die Tour beendet ist, muss für den Austausch der Medien im Fahrzeug bzw. das Auffüllen der anstrengende Transport von Bücherkisten durchgeführt werden.
[Bearbeiten] Öffentlichkeitsarbeit
Wenn eine Fahrbibliothek Erfolg haben und viele Leser erreichen will, ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit sehr wichtig. Dabei ist das Fahrzeug selbst das wirksamste Werbemittel der Bibliothek, besonders wenn es attraktiv gestaltet ist, hebt sich die Fahrbibliothek im Verkehrsgeschehen von den anderen Fahrzeugen ab, fällt auf und zieht so Aufmerksamkeit auf sich und die Bibliothek. Besonders wichtig für den Erfolg einer Fahrbibliothek ist das Bekanntmachen des Fahrplans bei der Bevölkerung. Am besten würde dies gelingen mit Postwurfsendungen an alle Haushalte im Versorgungsgebiet, was aber aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Deshalb muss man die Amtsblätter der Behörden dafür nutzen sowie durch gute Kontakte zu den lokalen Zeitungen die Veröffentlichung des Fahrplans und anderer wichtiger Informationen der Fahrbibliothek im redaktionellen Teil und damit kostenlos erreichen. Immer mehr Fahrbibliotheken nutzen inzwischen für Fahrplan-Veröffentlichungen und Service-Angebote wie Web-Kataloge mit Erfolg das Internet.
[Bearbeiten] Sponsoring
Die Kosten der Fahrbibliothek werden vom Träger übernommen. Wenn dieser die Unterhaltung nicht mehr gewährleisten kann, muss in vielen Fällen die Fahrbibliothek geschlossen werden. Um Maßnahmen wie Einsparungen oder gar Schließungen entgegen zu wirken, bemühen sich die Fahrbibliotheken und deren Träger, Sponsoren und Förderer zu gewinnen. Dass derartige Projekte gut funktionieren können, zeigt die Berlin Recycling GmbH, welche den Bücherbus der Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg finanziell unterstützt. Somit konnte der Weiterbetrieb gesichert und das bestehende Angebot der Fahrbibliothek erweitert werden.
[Bearbeiten] Fahrbibliotheken im Ausland und Sonderformen
In den USA wurden 1950 schon 603 Fahrbibliotheken gezählt. 1991 waren es dann auf dem Höhepunkt der Entwicklung 1125 Fahrbibliotheken. Seitdem verringerte sich deren Anzahl stetig auf 864 Fahrbibliotheken im Jahr 2003. Die meisten Fahrbibliotheken (98) waren 2003 im Staat Kentucky registriert, in California 69 und in Ohio 66 – aber von 23 Staaten der USA wird nur eine einstellige Zahl angegeben.
In Frankreich gibt es ein stark ausgebautes Fahrbibliotheksnetz. So waren 2002 in den 94 Departementsbibliotheken (BDP) zum Teil sehr große Fahrbibliothekdepots eingerichtet mit insgesamt 711 Fahrzeugen (292 Bibliobusse in 92 BDP, 65 Medienbusse in 44 BDP, 103 Lieferwagen in 57 BDP, 251 Kleinfahrzeuge in 91 BDP). In 143 Kommunen wurden von den Stadtbibliotheken 2002 insgesamt 169 Bibliobusse betrieben, so dass 2002 in Frankreich 526 Fahrbibliotheken im Einsatz waren.
In Schweden wurden im Jahr 2005 96 „Bibliobuse“ gemeldet sowie Eisenbahnbibliotheken, in Norwegen gibt es Bücherschiffe. In Dänemark gab es im Jahr 2005 49 Fahrbibliotheken vgl. www.filibussen.dk. Eine Fahrbibliothek betreut die dänische Minderheit in Südschleswig, vgl. www.dcbib.dk und zwei Fahrbibliotheken mit 6-Wochen-Turnus betreuen die deutsche Minderheit in Nordschleswig (Dänemark) vgl. www.buecherei.dk. Seit 2008 fährt eine aus Schleswig-Holstein stammende Fahrbibliothek als Einrichtung des Goethe- Instituts Minsk sternförmig in die umliegenden weissrussischen Städte, um als „Deutsch-Express“ deutsche Literatur und Medien an Interessierte zu vermitteln vgl. www.goethe.de/ins/by/min/de3042522.htm Auch Portugal und Spanien betreiben Fahrbibliotheken im beachtlichen Umfang.
Aus Kenia wird von einigen wenigen Fahrbibliotheken berichtet, die vom Kenya National Library Service betrieben werden. 1996 wurde dort auch der „Camel Library Service“ ins Leben gerufen für den Teil des Landes, der wenig besiedelt ist und in dem die Analphabetenrate 85% beträgt. Hier transportieren also Kamele die mobilen Zweigstellen zu Siedlungen ohne Straßenverbindungen.
[Bearbeiten] Verwandte Begriffe
[Bearbeiten] Quellen
Auswertung_umfrage.pdf [Elektronische Ressource] Adresse:http://www.bz-sh.de/fachstellenserver/fahrbibliotheken/dokumente/auswertung_umfrage.pdf, Zugriff: 20.01.08
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Bach, Michael
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1. Litera-Tour.- 14(1995)5, S. 32-36
2. Solide Tischlerarbeit.- 14(1995)6, S. 38-43
3. Der rollende Lesebär.- 15(1996)1, S. 38-44
4. Bücherwurms Traum.- 15(1996)5, S. 38-44
5. Toilette wie im Düsen-Jet.- 16(1997)1, S. 14-21
6. Karl May auf Rädern. – 16(1997)3, S. 34-43
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Das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland : ein Handbuch / von Gisela Busse…. – 3., völlig überarb. Aufl. des durch Gisela von Busse und Horst Ernestus begr. Werkes / von Engelbert Plassmann und Jürgen Seefeldt. - Wiesbaden : Harrassowitz, 1999. - XII, 510 S. : Ill., Kt. ISBN 3-447-03706-7
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Gabel, Gernot Die Literaturversorgung der ländlichen Bevölkerung Frankreichs, 1945 – 1995.- In: BuchMobil.- 11(1997)2, S. 7 – 12
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.
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Jahresbericht und Statistik 2006. Hrsg.: Büchereiverein Schleswig-Holstein e.V.- Flensburg 2007, 56 S.- ISSN 1434-0232
Lehrveranstaltungen bei Herrn Prof. Dietmar Kummer im Modul Schul- und Fahrbibliotheken Wintersemester 2007/08 an der HTWK Leipzig
Leipziger Städtische Bibliotheken [Elektronische Ressource] Adresse:http://www.leipzig.de/de/buerger/bildung/bib/sbib/wir/chronik/index_druck.shtml, Zugriff: 18.01.2008
Richter, Elke: Entwicklung einer Bestandskonzeption für die Fahrbibliothek Merseburg-Querfurt auf der Grundlage informationslogistischer Rollenzuweisung/ von Elke Richter.- Berlin: Inst. für Bibliothekswiss., Humbold-Univ., 2002.- 57 S. (Berliner Handreichungen zur Bibliothekswissenschaft ; 87)
Seefeld, Jürgen und Syré, Ludger: Portale zu Vergangenheit und Zukunft : Bibliotheken in Deutschland.-2. durchges. Auflage.-Hildesheim: Georg Olms Verlag, 2003.-112 S.-ISBN3-487-11712-6
Stadtbibliothek München [Elektronische Ressource], Adresse: http://www.muenchner-stadtbibliothek.de, Zugriff: 11.01.2008
Städtische Bibliotheken Dresden [Elektronische Ressource] Adresse: http://www.bibo-dresden.de/6/index_6.html?6_07_00.html, Zugriff: 18.01.2008
Sünhold, Karl Heinz : Fahrbibliotheken in der Deutschen Demokratischen Republik. – Berlin : Zentralinstitut für Bibliothekswesen 1971. – 49 S. (Beiträge zur Theorie und Praxis der Büchereiarbeit; 9)
Thiem, Ulrich: Fahrbüchereien in Großstädten/ Ulrich Thiem.- Berlin: Deutscher Bibliotheksverband, 1973.- 54 S. (Schriftenreihe der Bibliothekar-Lehrinstitute : A ; 15)
Wikipedia [Elektronische Ressource] Adresse: http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrbibliothek, Zugriff: 18.01.2008
Dieser Text „Fahrbibliotheken“ entstand Dezember 2007 bis Februar 2008 im Rahmen der Vorlesung „Spezialisierung Fahrbibliotheken“ von Prof. em. Dietmar Kummer an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, Studiengang „Bibliotheks- und Informationswissenschaft“
Abschnitt 1, 14 Prof. Dietmar Kummer
Abschnitt 2, 3 Maria Elschner
Abschnitt 4, 6, 13 Beatrice Bobilow
Abschnitt 5 Sarah Weber
Abschnitt 7, 8 Maria Schuster
Abschnitt 9 Diana Grella
Abschnitt 10 Christine Mandel
Abschnitt 11, 12 Heike Nachtrab
Gliederung, Redaktion: alle Teilnehmer
Ergänzung, Bearbeitung, Gesamtredaktion Prof. Dietmar Kummer
Die Beispiele aus Schleswig-Holstein wurden mit Zustimmung entnommen bzw. errechnet aus „Jahresbericht und Statistik 2006“ des Büchereivereins Schleswig-Holstein e.V.

